24.03.05
Waffenlieferungen an Keynes
Wie Michael schon sagte: der Kampf um die populärökonomische Deutungshoheit ist wieder offen.
Dazu passt folgende Meldung des Tagesspiegels: die 30 größten DAX-Unternehmen haben im vergangenen Jahr ihre Gewinne auf rd. 35 Milliarden Euro verdoppelt und schufen dabei per Saldo knapp 10.000 Stellen. Sieht okay aus, aber in dieser Zahl verbergen sich 35.000 gestrichene Jobs in Deutschland. Auf der Ebene der Großkonzerne ist die Jobverlagerung also längst Realität.
Gleichzeitig erhöhten diese Unternehmen die Dividenden auf über 15 Milliarden Euro, ein Stand der zuletzt 1999 erreicht worden war. All dies unterstreicht das immer populärere Bild der Großkonzerne, die auf Reformen drängen und letztendlich doch nur zynisch nehmen, was sie kriegen können, während sie bereits mit einem Fuß aus der Tür sind. BDI-Präsident Thumann steht mit seiner Zusage, angesichts des Job-Gipfels in seinem Unternehmen Arbeitsplätze zu schaffen, zunehmend in der Kritik seiner Arbeitgeberkollegen. Zu einem konstruktiven Verhalten in der Krise scheinen die Großkonzerne nicht fähig, Patriotismusappelle hin oder her.
Die Konsequenz ist logisch - weitere Reformschritte müssen auf den Mittelstand sowie die Arbeitnehmer abzielen: Senkung des Eingangssteuersatzes, Schleifung der bürokratischen Hürden, gleichzeitig ein Ende aller Sondertatbestände in der Unternehmensbesteuerung sowie aller Subventionen. Aber ist der Genosse der Bosse dazu fähig? Die ewige Kungelei seiner Minister und Ex-Minister mit der Energiewirtschaft ist ja längst bekannt, außerdem stehen die nostalgische Verteidigung der Kohle und die Rhetorik der 'Industriepolitik' (in Frankreich nennt man das 'nationale Champions') im Weg. Der Liebesentzug der Weltkonzerne wäre doch gar zu schrecklich.
Der Genosse der Bosse sollte sich mal ein Sprichwort meines Großvaters vor Augen halten.”Der Großverdiener der 200000 Mark im Jahr mehr verdient, kann deshalb trotzdem nur ein Schnitzel essen. Der Arbeiter der 10 Mark mehr verdient kann dann endlich auch mal ein Schnitzel essen, davon können ein Metzger und ein Bäcker und ein Bauer mehr leben.” Und mein Großvater war Zeit seines Lebens Unternehmer (mittelständisch).
Posted by: Kesselmeister am 30.03.05 23:52